LaborkaninchenHilfe

e.V.

Erfahrungsbericht einer Pflegestelle


Ein Labori zieht also vorübergehend bei mir ein! Was sind die ersten Gedanken? Es ist aufregend!!!!! Es ist für mich fast genauso aufregend wie für das Laborkaninchen!

Hops, raus aus der Transportbox und erstmal rein in die Käfigunterschale. Der erste Blickkontakt mit dem Labori ist so spannend für mich. Ich rede ihm eine Weile gut und ruhig zu, damit es merkt, dass ihm hier nichts passieren wird. Sobald es aus der Transportbox raus ist, merke ich auch gleich, ob es eher aufgeschlossen oder noch ängstlich ist und erstmal seine Ruhe braucht, um sich zu akklimatisieren. Futter, Wasser und Heu stehen natürlich schon parat und das Labori bekommt dann erstmal seine Zeit für sich, auch wenn ich am liebsten noch viel länger bei ihm bleiben möchte. :-)  Denn dieses süße unschuldige Ding auf vier Pfoten mit Puschelschwänzchen hat sich mit seinen Klimperaugen und seinen langen Wimpern gleich in mein Herz geschlichen.

Das Labori ist nun also untergebracht, so artgerecht wie möglich, das bedeutet selbstverständlich keine Käfighaltung. In der Quarantänezeit wäre eine Unterbringung in einem sehr, sehr großen Käfig möglich, um das Ergebnis der Kotprobe abzuwarten. 
Ich mache es so, dass ich nur die Unterschale als Toilette anbiete und zunächst keine Teppiche hinlege, damit ich bei positiver Probe den Boden gründlich reinigen und desinfizieren kann. Auf Teppich läuft es sich dann viel besser als auf glattem Boden :-)
Mit dem Frischfutter fange ich langsam an, die Laboris bekommen in der Regel im Labor nichts Frisches und kennen nur Heu / Pellets, deshalb gebe ich erstmal nach und nach immer mehr Frischfutter und erweitere die Vielfalt.
Es ist toll zu sehen, wie es ihnen schmeckt! Jedes Kaninchen hat so seine Vorlieben. Es wird sowieso irgendwann mal probiert ;) genauso wie nach und nach die Umgebung komplett erkundet wird.

Das Labori hat bei mir die Möglichkeit, sich an ein Leben außerhalb des Labors zu gewöhnen und ich bereite ihn auf sein neues Leben vor. Ist das nicht ein schönes Gefühl, dass man als Pflegestelle an dieser wichtigen Veränderung in dem Leben eines Kaninchens mitwirken kann? Für mich ist es das und ich freue mich, dass das Labori bei mir so vieles kennenlernen darf und Neues entdecken wird. Alltagsgeräusche, neues Futter, viele Gegenstände, liebe Hände und noch so einiges mehr……

Natürlich habe ich als Vereinspflegestelle auch eine große Verantwortung dem Tier gegenüber. Ich muss dafür sorgen, dass es sicher untergebracht ist, regelmäßig füttern und sauber machen. Tierarzttermine für Impfungen und Kastrationen gehören ebenso dazu wie eine regelmäßige Dokumentation für den Verein. Dann muss ich natürlich darauf achten, dass das Labori gesund bleibt und keine Auffälligkeiten zeigt. Es braucht natürlich auch Beschäftigung und Zuspruch. Zuneigung zu geben ist mir sehr wichtig, damit das Labori lernt mir zu vertrauen und seine Vergangenheit vergisst. Mit Geduld und Liebe kann man auch bei Angsthasen eine Menge erreichen. Ein Tier, welches anfangs ängstlich ist, wird dann nach und nach psychisch aufgepäppelt und ein Labori, das schon von vornherein zutraulich ist, gewinnt noch mehr an Selbstvertrauen und Vertrauen mir gegenüber.

Nun ja, irgendwann ist die Zeit mit dem lieb gewonnenen Tierchen auch mal vorbei. Ich habe mich an das Labori gewöhnt, habe gemerkt, wie es sich verändert, habe gesehen, wie es aufblüht, das war sehr, sehr schön! Ich freue mich, ihn ein Stück in sein neues Leben begleitet zu haben und bin natürlich traurig darüber, dass ich mich von ihm trennen werde. Der Abschied fällt mir leichter, wenn ich daran denke, dass ich noch ganz vielen weitere Laborkaninchen helfen möchte. Ich werde Weitere aufnehmen und sie auf ein Leben nach dem Labor vorbereiten. Ich freue mich zum Ende unserer Zeit auch sehr, wenn ich weiß, dass das Labori ein tolles Zuhause in Aussicht hat, in dem es endlich Kontakt zu seinen Artgenossen haben darf und in dem es hoffentlich für den Rest seines Lebens bleiben wird!

Und hier die glücklichen Pflege-Laboris:


 

Vitali und Wladi