LaborkaninchenHilfe

e.V.

Vergesellschaftung


Ein Kaninchen ist kein Kaninchen!

Als Tierschutzverein setzen wir uns für die artgerechte Haltung insbesondere von Kaninchen ein. Diese beinhaltet die Haltung der Kaninchen in kleinen Gruppen oder in Paarhaltung. Denn nur mit Partnertieren fühlen sich Kaninchen wohl. Die Partnertiere interagieren nicht nur 24 Stunden untereinander, sie geben einander auch ein Gefühl der Sicherheit und beteiligen sich auch an der Körperpflege. Menschen sind als alleinige Gesellschaft ungeeignet, denn Menschen sind nun mal schlechte Kaninchen. Ebenso ist die Haltung von einem Kaninchen mit einem Meerschweinchen für beide Seiten unbefriedigend, da sie unterschiedlich kommunizieren. Das permanente Geplauder der Meerschweinchen wird von den Kaninchen als unangenehm empfunden, da sie selber sehr schweigsam sind. Dafür putzen Kaninchen einander sehr intensiv, was wiederum den Meerschweinchen fremd ist.
Haben Sie Ihr Kaninchen erst mit einem anderen vergesellschaftet, werden Sie feststellen, dass es gleich viel mehr zu beobachten gibt. Gemeinsames Fressen, Kuscheln – alles wird interessanter und aus dem gelangweilten Tier wird unter Umständen ein munteres Kerlchen, das ganz neue Ideen entwickelt.

Allein ist alles langweilig


Welches Kaninchen passt zu meinem Tier?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Denn letztlich unterliegen Kaninchen ebenso wie wir Menschen Sympathien und Antipathien. Dennoch gibt es Kombinationen von Tieren, die erfolgversprechender sind als andere. Grundsätzlich verträgt sich ein Männchen eher mit einem Weibchen als zwei Männchen oder zwei Weibchen untereinander. Es gibt aber auch tolle gleichgeschlechtliche Freundespaare. Niemals sollten zwei unkastrierte Rammler vergesellschaftet  werden. Selbst wenn sie in ihrer Jugend noch harmonieren, ist damit zu rechnen, dass sie nach voller Entwicklung ihrer Geschlechtsreife oder auch noch später, erbitterte Kämpfe mit ernsthaften Verletzungen austragen werden, die auch mit dem Tod enden können.
Günstig ist es auch, in etwa gleich alte Tiere zu wählen. Eine Faustregel besagt, dass die Tiere nicht weiter als drei Jahre auseinander liegen sollten, da sie dann eher gleiche Bedürfnisse entwickeln als ein junges, quirliges und bewegungsfreudiges Tier mit einem älteren eventuell sogar schon kränklichen Tier, welches eher ruhen möchte. Doch auch dies ist nur eine Empfehlung – Kaninchen können das ganz anders sehen und perfekt mit einer ganz anderen Altersgruppe harmonieren.
Letztlich wird der Charakter der beiden Tiere über Erfolg oder Misserfolg der Vergesellschaftung entscheiden.


Der Start in ein neues Leben unter Kaninchen

Wer nun meint, er tue seinem Kaninchen etwas Gutes und dieses werde gut gelaunt, dankbar und frisch verliebt auf das neue Tier zu hoppeln, täuscht ebenso wie jene Menschen, die meinen, ihr Kaninchen würde keine langohrige Gesellschaft benötigen, da sie selber sich gut genug kümmern würden.
Die Kaninchen müssen sich zunächst einmal kennen lernen. Dabei reagieren Kaninchen auf ungewohnte Gesellschaft sehr unterschiedlich. Die einen sind sehr zurückhaltend oder sogar ängstlich, wohingegen ein dominantes Tier sofort klar machen wird:
Ich Chef, du nix!
Es wird gleich auf das neue Tier zugehen und es kann zu Szenen kommen, die den Anfänger zunächst erschrecken: es wird gerammelt, gejagt, geknurrt, es fliegt Fell, es wird geflohen, Klos und Näpfe werden ausgeleert und es wird markiert. Nur Mut! Das ist normal während einer Zusammenführung und gehört dazu!
Doch man kann durch eigenes Handeln dazu beitragen, dass die Kaninchen am Ende zueinander finden und ein verschworenes Team werden. Die nachstehenden Hinweise erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit.

Die gängigste Form der Zusammenführung beinhaltet einige Regeln:

1. Kein Riech- und Sichtkontakt

Vor der Zusammenführung sollten sich die Kaninchen weder riechen noch sehen. Andernfalls kann es passieren, dass die Tiere einander schon wahrnehmen und miteinander  kommunizieren beispielsweise über Duftmarken oder klopfen . Aggressionen können sich aufbauen, die nicht ausgetragen werden können. Das steigert die Aggressionen, ähnlich wie bei Menschen, die wütend sind und denen dann noch der Mund verboten wird. Treffen die Tiere nun aufeinander, kann der Erstkontakt so negativ ausfallen, dass eine Vergesellschaftung nicht mehr möglich ist.

2. Neutraler Raum

Bei der Erstbegegnung ist es absolut von Vorteil, wenn die Kaninchen auf einem Gebiet zusammentreffen, das allen unbekannt ist. Setzt man ein neues Kaninchen einfach zu seinem eigenen Tier, wird Letzteres sein Revier verteidigen und dem neuen Tier sehr aggressiv begegnen. Stehen im eigenen Zuhause keine neutralen Bereiche zur Verfügung, so können vielleicht Freunde oder Verwandte aushelfen und Raum bereitstellen.

3.  Putzen

Steht absolut kein neutraler Raum zur Verfügung, sollte vor der Zusammenführungen das Gehege auf das Allergründlichste geputzt werden (Essigwasser neutralisiert Gerüche). Auch sollte das Gehege umgestaltet werden, so dass das alteingesessene Tier das Gehege im günstigsten Fall nicht mehr als sein Revier erkennt. Läuft die Zusammenführung, gilt: Je weniger Veränderung, desto besser! Jede Veränderung kann neue Kämpfe um Ressourcen hervorrufen.

4.  Kleiner Raum

Zusammenführungen dürfen gern auf kleinem Raum (wenige Quadratmeter) durchgeführt werden. Ist der Raum zu groß, kann es passieren, dass sich die Tiere freundlich das Gebiet „teilen“ und nicht kennen lernen. Auf kleinem Raum müssen sie einander begegnen. Es gibt jedoch auch Fälle in denen ein größerer Bereich die Situation entspannt.

5.  Futter

Während der Zusammenführungen darf geschlemmt werden! Häufig kommen sich Kaninchen beim Fressen näher. Wenn die Tiere in Ruhe nebeneinander fressen, ist oft schon das erste Eis gebrochen. Gutes Futter kann das natürlich begünstigen. Es ist jedoch darauf zu achten, dass die begehrten Leckereien dann auch in ausreichender Menge vorhanden sind und die Kaninchen nicht in Konkurrenz zueinander geraten. Aus diesem Grund sollte das Futter anfänglich auch großräumig verteilt werden. So können beide Tiere gleichzeitig futtern, es entsteht kein Futterneid und sie können sich unauffällig aufeinander "zu- fressen", wenn sie dazu bereit sind.

Gemeinsam fressen bricht das Eis


In der ersten Phase der Zusammenführung sind die Tiere füreinander interessant genug und benötigen kaum Spielzeug. Es kann sich sogar gegenteilig auswirken, wenn Streit um begehrtes Material entsteht. Sinnvoll sind Pappkartons, in die – ganz wichtig – zwei Eingänge geschnitten werden. So können sich die Tiere voneinander zurückziehen und zur Ruhe kommen. Der zweite Eingang ist unbedingt erforderlich: Sollte sich das rangniedere Tiere in dem Papphäuschen befinden und das ranghöhere Tier hineinstolzieren, hat das rangniedere Tier zurückzuweichen. Nun ist jedoch der Eingang durch das ranghöhere Tier versperrt. Das rangniedere Tier sitzt also in der Falle und muss entweder auf das ranghöhere Tier zugehen, was schon als Aggression oder Aufbegehren gewertet wird, oder es muss die Kaninchenregeln brechen und dort hocken bleiben, wo es ist. Beides kann zu kritischen Situationen führen, die im schlechtesten Fall dazu führen, dass die Kaninchen massiv aggressiv reagieren.

 
7.  Nicht trennen

Besorgte Halter kommen bei den wilden Raufereien schon mal auf die Idee, das unterlegene Tier dem Stärkeren nicht unbeaufsichtigt auszusetzen. Die Zusammenführung läuft dann nur tagsüber oder womöglich abends nach der Arbeit. Das kann in einigen Situationen durchaus seine Berechtigung haben. Aber bedenken Sie: Zusammenführungen sind für beide Tiere Stress pur. Das eine mag ängstlich reagieren, ein anderes demonstriert vielleicht Stärke. Stress ist es in jedem Fall. Jedoch werden sich beide Tiere langsam kennen- und einschätzen lernen. Sie werden Stück für Stück die Rangordnung klären und Regeln für das Zusammenleben aufstellen. Gelingt das nicht, werden die Tiere nicht zusammen leben können. Wenn die Tiere in der Zusammenführungsphase für längere Zeit getrennt werden, so müssen sie nach dem Wiedersehen erneut die Regeln und die Rangordnung miteinander ausmachen. Sie beginnen also quasi von vorne. Daher sind vorübergehende Trennungen nicht immer hilfreich.

Geben Sie jedoch gut auf Ihre Tiere Acht:

Eine kleine Schramme kann sich im Eifer des Gefechts ergeben. Fließt jedoch Blut, sollte sofort getrennt werden. Ernste Verletzungen dürfen nicht auftreten! Sie sind in der Regel mit starken Konflikten und dem Willen, das Partnertier zu verletzen, verbunden. Die Ursachen dafür können vielfältig sein: Es kann sein, dass die Tiere nicht miteinander harmonieren, aber ebenso gut kann ein Konflikt auf einen blöden Zufall zurückzuführen sein. Dennoch sollte zunächst getrennt werden. Eine neue Vergesellschaftung sollte erst nach Ablauf von einigen Wochen versucht werden.
Und selbstverständlich sind die Wunden tierärztlich versorgen zu lassen.    

Bei Vergesellschaftungen kann es hoch hergehen


8. Dauer


Eine Zusammenführung "dauert so lange, wie sie dauert". Im Optimalfall kann sie bereits nach 20 Minuten beendet sein, ebenso kann sie Wochen dauern oder scheitern. Das hängt von den jeweiligen Tieren ab und man kann aus der Dauer nicht ableiten, wie gut die Tiere später miteinander harmonieren.

Zeit für den Umzug


9.  Happy End


In den meisten Fällen werden die Rangeleien mit der Zeit abnehmen. Vermutlich wird sich als erstes zeigen, dass die Tiere gemeinsam fressen. Ist Ruhe eingekehrt, kann das Gehege Stück für Stück erweitert werden bzw. können die Tiere in das richtige Gehege umziehen. Auch darf nun das Gehegemobiliar an seinen Platz. Achten Sie jedoch nach jeder Veränderung darauf, ob sich neue Konflikte ergeben. In dem Fall kann eventuell eine Veränderung rückgängig gemacht werden oder die nächste Veränderung muss etwas länger warten.
Die Tiere werden irgendwann ihre gegenseitige Nähe suchen. Die räumliche Distanz verringert sich. Wenn die Tiere Seite an Seite sitzen oder schlafen, ist ein weiterer Meilenstein geschafft.
Ein Zeichen für den erfolgreichen Abschluss der Zusammenführung kann das  gegenseitige Putzen darstellen.

Geschafft!